NOT GUIDED TO GET HERE

Josina von der Linden | Installation, Video, Fotografie
Emeli Theander | Malerei, Zeichnung
[4händig]

Ausstellung
22. November 2017 bis 7. Januar 2018

Eröffnung: Dienstag, 21. November 2017, 19 Uhr

Begrüßung
Heike Schmitt-Schmelz | Bezirksstadträtin
Elke von der Lieth | Kommunale Galerie Berlin
Rachel Kohn | Frauenmuseum Berlin e.V.

Einführung
Matthias Reichelt | Kulturjournalist

Emeli Theanders und Josina von der Lindens Arbeiten haben mehr gemeinsam, als man ihnen auf den ersten Blick ansieht. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, wie sehr die Werke der beiden Künstlerinnen, die unter dem Titel „not guided to get here“ in der aktuellen 4händig-Ausstellung des Frauenmuseum Berlin zu sehen sind, sich thematisch berühren. Not guided – nicht geführt: was mag das bedeuten: Ohne Navigation, ohne Fahrplan, ohne Begleitung? Angesprochen wird auch ein möglicherweise unbefugtes oder unerwünschtes Betreten von Orten oder Räumen. Verbotene Zonen werden betreten, imaginäre Räume durchschritten, Grenzüberschreitungen begangen, auch im Bereich der Privat- und Intimsphäre. Die Ausstellungsbesucher werden unfreiwillig zu Voyeuren, zu Beobachtern von Szenen, in denen unbefangenes Spiel (auch mit weiblicher Sexualität) und Abgründigkeit nicht immer eindeutig voneinander zu unterscheiden sind.

Emeli Theander malt große, rätselhafte Bilder. Auf vielen sind Mädchenköpfe und Mädchenkörper zu erkennen, doch sind es keineswegs klassische Portraits. Und auch wenn unbekleidete Körper zu sehen sind, wäre „Akt“ nicht der richtige Begriff. Auffallend häufig tauchen begleitend Masken auf, daneben Totenköpfe, gleichsam als Sonderfall der Maske, sowie Tierköpfe und Tiere. Merkwürdig, uneindeutig, vielleicht etwas unheimlich, manchmal bedrohlich. Und trotzdem auch magisch, sodass man lange den Blick nicht abwenden kann. Man könnte sagen, Emeli Theander schaffe konjunktivische Bildwelten: Szenen und Posen, die probiert werden, die eher eine Befragung sind als eine Antwort.

Josina von der Linden drückt sich in ganz unterschiedlichen Medien aus und lässt sich nicht auf eine Technik festlegen. Je nach Thema und Ort entscheidet sie immer neu, welches künstlerische Vokabular adäquat für sie ist. In dieser Ausstellung zeigt sie die begehbare Installation follow your instincts und macht damit den Ausstellungstitel physisch erlebbar. Die Installation besteht aus einem Feld von einigen hundert, mit Zeitungspapier umwickelten Stäben aus Schilfrohr, die vom Boden bis zur Raumdecke reichen. Die Besucher können sich zwischen den Stäben bewegen und sich ihren Weg wie durch ein Gehölz suchen. Dabei sollten sie sich auf ihre Instinkte verlassen, denn das latente Unbehagen lauernder Gefahr scheint begründet zu sein. Die Fotoserie What is behind that curtain spielt subtil auf die Ambivalenz des Zeigens oder Verbergens des (weiblichen) Körpers an. Eine schmale hautfarbene Textilbahn wird hier zu einer Ganzkörpermaske. Das Video La Cage/ Der Käfig schließlich zeigt die Selbstbefreiung einer Frau aus einem Käfig.

Durch die Anordnung im Raum und durch eine thematische Nähe treten die Arbeiten beider Künstlerinnen nicht nur in einen Dialog, sondern verflechten sich gegenseitig durch Requisiten, Blickwinkel und Ungewissheiten. Die BesucherInnen sind eingeladen, sich in diesem Zusammenspiel zu bewegen oder auch zu verlieren.

Rahmenprogramm

Sonntag, 7. Januar 2018, 12 Uhr
Finissage und Künstlerinnengespräch, Moderation: Dr. Birgit Szepanski