Am Ende des Tunnels

Die Kindertransporte vor 80 Jahren aus Berlin

Hintergrund: Karen Stuke aus der Serie "Wandelhalle - Auf den Spuren von Sebalds Austerlitz", 2013, Kindertransport-Plakette von Hanna Miley, fotografiert von Cheri Beckenhauer

Open-Air-Ausstellung
Stuttgarter Platz / Ecke Lewishamstraße

16. August bis 27. Oktober 2019

Eröffnung am Donnerstag, 15. August 2019, um 18 Uhr

Begrüßung
Heike Schmitt-Schmelz | Bezirksstadträtin
Norbert Wiesneth | PhotoWerkBerlin
Amy Williams | Historikerin, Nottingham Trent University

anschließend
Lesung und Interview im Sommerkino am Bahnhof Charlottenburg
David & Sarah Parker | Kinder einer Zeitzeugin
moderiert von Matthias Schirmer


Zwischen Ende November 1938 und dem 1. September 1939 wurden über 10.000 Kinder, die als „jüdisch“ im Sinne der Nürnberger Gesetze galten, aus dem Deutschen Reich und aus von diesem besetzten Ländern nach Großbritannien verschickt und gerettet. Auf diesem Wege gelangten vor allem Kinder aus Deutschland, Österreich, Polen, der freien Stadt Danzig und der Tschechoslowakei ins Exil. In Zügen und mit Schiffen konnten die Kinder in die Freiheit ausreisen. Die meisten sahen ihre Eltern nie wieder. Oftmals waren sie die einzigen aus ihren Familien, die den Holocaust überlebten.

80 Jahre, nachdem der letzte Kindertransport einen Berliner Bahnhof verlassen hat, erinnert nun die Open-Air-Ausstellung an dieses Kapitel des Verlusts der größten jüdischen Gemeinde in Berlin.

Einer der letzten Zustiege der Kinderzüge in Berlin war der Bahnhof Charlottenburg. Vor dem Bahnhof aufgestellte Litfaßsäulen vermitteln mit Texten und historischen Bildern die Geschichte der Kindertransporte am historischen Ort.

Die Ausstellung ist eine britisch-deutsche Initiative der Universitäten Aberystwyth und Nottingham Trent, dem Fachbereich Kultur von Charlottenburg-Wilmersdorf, der Inge Deutschkron Stiftung und dem PhotoWerkBerlin. Sie steht unter der Schirmherrschaft des britischen Botschafters Sir Sebastian Wood.

Begleitprogramm
in der Kommunalen Galerie Berlin, Hohenzollerndamm 176, 10713 Berlin

Sonntag, 15. September 2019, 14 Uhr
Zeitzeugengespräch mit Ruth Barnett, London
Ruth Barnett wurde 1935 als Ruth Michaelis geboren und wohnte in den ersten vier Jahren ihres Lebens in der Cicerostraße, unweit des Kurfürstendamms. Im Februar 1939 schickten ihre Eltern sie und ihren siebenjährigen Bruder Martin nach Großbritannien.
Dr. Andrea Hammel von der Aberystwyth Universität und Prof. William Niven von der Universität Nottingham Trent werden das Gespräch mit Ruth Barnett in englischer Sprache mit Übersetzung moderieren.

Beitrag der Abendschau am 15.9.2019 (verfügbar bis 22.9.2019)

Sonntag, 13. Oktober 2019, 14 Uhr
Podiumsdiskussion zur aktuellen Wahnehmung der Kindertransporte in Großbritannien
mit Dr. Andrea Hammel, Prof. Bill Niven, Amy Williams (Universitäten Aberystwyth, Nottingham Trent)

Die Kindertransporte nach Großbritannien waren eine der wichtigsten und beeindruckenden Rettungsaktionen des 20. Jahrhunderts. Sie sind ein fester Bestandteil der kollektiven britischen Erinnerung. Lange Zeit wurde vor allem die positive Rolle der britischen Regierung und Gesellschaft hervorgehoben. Im aktuellen Diskurs wird eine kritische Sicht auf die historischen Ereignisse mit einbezogen: Inwieweit hat die Trennung von den Eltern und die Übersiedlung zu Traumata geführt? Wie verlief die Integration der Kinder – während der Kriegsjahre und danach? Einige der damals geretteten Kinder, die heute Personen des öffentlichen Lebens sind, engagieren sich in der aktuellen Flüchtlingskrise. Zum Beispiel fordert die Initiative „Safe Passage“ eine Neuauflage der Kindertransporte für Minderjährige aus syrischen Bürgerkriegsregionen. 

Die britischen Experten für Holocaustforschung und Kindertransporte Dr. Andrea Hammel (Universität Aberystwyth), Prof. William Niven und Amy Williams (Universität Nottingham Trent) haben an der Open-Air-Ausstellung „Am Ende des Tunnels“ mitgewirkt. Sie berichten über den aktuellen Stand der Diskussion im Vereinigten Königreich, vergleichen ihn mit der deutschen Erinnerungskultur und zeigen, dass dieser historische Themenkomplex auch in unserer Zeit höchst aktuell ist.

Foto: Norbert Wiesneth