AUSGEZEICHNET | GEFÖRDERT

Stipendiatinnen und Stipentiaten der Hans und Charlotte Krull Stiftung

Hände
Nina Schuiki, Auf Dauer, 2019, Fotografie

Heiner Franzen
Oskar Schmidt
Leonid Keller
Nina Schuiki
Stephanie Steinkopf
Leon Eixenberger
Christian Schellenberger

Ausstellung
25. Juni bis 6. September 2020

Die Hans und Charlotte Krull Stiftung fördert seit 2009 bildende Künstler*innen mit jährlichen Arbeitsstipendien von 12.000€. Alle zwei Jahre richtet sie eine Ausstellung für die von ihr geförderten Stipendiat*innen aus, in diesem Jahr zum wiederholten Mal in der Kommunalen Galerie Berlin. Die zwischen 2018 bis 2020 geförderten sieben Künstler*innen werden Werke präsentieren, die so unterschiedlich sind wie ihre Urheber*innen. Reale und innere Mauern trennen Zimmer, Menschen und Länder; das zeigen Leon Eixenberger in einer Videoarbeit, gedreht in einem Haus des Architekten Hans Scharoun, und Stephanie Steinkopf in ihrem Fotofilm über die Spuren der Berliner Mauer in Biografien. Das Schwanken zwischen Sozialismus und Kapitalismus treibt auch das Künstlerduo Leonid Keller um. Im Dazwischen arbeitet Christian Schellenberger, der meist in Bus und Bahn zeichnet. Heiner Franzen befasst sich in einem Video mit Sprechakten, und Oskar Schmidt stößt mit seinen Fotografien Diskussionen an. Dass sich ohnehin alles stetig wandelt, zeigt die Projektion von Nina Schuikis sich ewig verdampfender und verflüssigender Träne.

Die Ausstellung kuratieren der Landschaftsarchitekt Anselm Bohley und die Kunst- und Literaturwissenschaftlerin Suzan Kizilirmak.

 

Blick in der Ausstellung ©dotgain.info
Blick in der Ausstellung ©dotgain.info

Heiner Franzen transportiert „Charaktere“: gezeichnete, animierte, in Performances, Installationen und Objekte gesetzte Figuren, die sich mit jeder Umgebung neu erschaffen. Franzens Quelle sind Kino- oder Teenagererlebnisse. Sein Motiv ist die „Auflösung der Grenzen von Zeichnung und Film“, so der Kunstkritiker Kolja Reichert. Für Aufsehen sorgte Franzen als er 2018 das Haus am Lützowplatz in einen begehbaren Film verwandelte. Während des Stipendiums hat er an Videoprojekten weitergearbeitet, die den Sprechakt zum Gegenstand haben. Heiner Franzen studierte Kunst in Bremen und Berlin, stellte weltweit aus und seine Werke befinden sich in Sammlungen wie dem n.b.k., der Berlinischen Galerie und der Londoner Pall Mall Capital Ltd. Heiner Franzen im Netz.

Das Künstlerduo Leonid Keller setzt sich in seinen Installationen oft mit dem Schwanken zwischen Sozialismus und Kapitalismus auseinander, auch aus persönlichen Gründen. Die 1978 in München geborene Julia Ossko wuchs in New York auf, ihr Partner Eugen Schulz ist 1984 in Uspenka, Kasachstan geboren. Ossko studierte in Berlin Design, mit Schwerpunkt Fotografie und Schulz Kunst in St. Petersburg und Berlin. Seit 2013 arbeiten sie zusammen. Während des Stipendiums experimentierte das Duo mit neuen Materialien wie Keramik und Beton und kehrten deren Kraftverhältnisse um, indem sie zum Beispiel eine winzige Porzellan- Lenin-Büste ihren Betonsockel schultern ließen. In der Abschlussausstellung werden sie unter anderem einen federleichten Teppich von der Decke schweben lassen, als Antwort auf die schweren Wandbehänge in Schulzes Herkunftsland, wo sie Wohlstand demonstrieren. Leonid Keller im Netz.

Wieso nicht mal eine lesende Frau am Fenster oder ein Karten spielender Mann wie wir sie von den Gemälden europäischer Maler wie Jan Vermeer (1632-1675) oder Paul Cézanne (1839 – 1906) kennen, nur mit Nicht-Europäern? Das fragte sich Oskar Schmidt während eines Stipendienaufenthalts in São Paulo. Dort inszenierte der 1977 geborene Fotograf Per-sonen und Dinge wie Werke alter Meister, reduzierte und arrangierte das Setting, bearbei-tete die Aufnahmen digital bis sie glatt und der Welt entrückt wirkten. In der Abschluss-ausstellung wird er Werke aus dieser Serie präsentieren. Oskar Schmidt studierte in Halle und in Leipzig Kunst. Seine Arbeiten waren unter anderem im C/O Berlin, dem Fotomuseum Winterthur, dem Center for Creative Photography, Tucson/ Arizona und der Zabludowicz Collection London/New York zu sehen. Er gewann diverse Prei-se unter anderem den Marion-Ermer-Preis. Oskar Schmidt im Netz.

Die Künstlerin Nina Schuiki befasst sich in ihren Arbeiten mit dem Raum, der Flüchtig-keit und der Erinnerung an Dinge. In der Abschlussausstellung wird sie eine Träne - luftdicht verschlossen in einem Glasobjekt - an die Wand projizieren. Durch die Wärme des Projektors verflüssigt und verdampft die Träne in einem ewigen Kreislauf. Die 1983 geborene lenkt den Blick auf das Ungesehene. Nina Schuiki studierte in Berlin und Wien Kunst und Fotografie. Ihre Werke zeigte sie unter anderem im Hamburger Bahnhof und der Neuen Nationalgalerie in Berlin und der Space Station in Peking. Nina Schuiki im Netz.

Christian Schellenbergers Zeichnungen entstehen vor allem in verschiedenen Situationen des Unterwegsseins: auf dem Weg ins Atelier, in der S-Bahn, im Bus und im Zug oder auch mal in Richtung Bejing. Schellenberger zeichnet intuitiv und druckt anschließend die Linien, Schriften und Gesten als Siebdruck. Der 1980 geborene studierte in Berlin und Leipzig Kunst. Seine Arbeiten zeigte er unter anderem im Japanischen Kulturinstitut in Köln und im Museum der bildenden Künste in Leipzig. Er gewann unter anderem ein Stipendium des DAAD, das ihn 2015 nach China führte. Christian Schellenberger im Netz.

Stephanie Steinkopf arbeitet an fotografischen Langzeitprojekten, die sich mit Men-schen befassen, deren innere Konflikte soziale und politische Veränderungen spiegeln. Während des Stipendiums ist der Fotofilm „Mein Bruder und Ich“ entstanden, der von einer Geschwister-Beziehung handelt. Der Fall der Berliner Mauer und die deutsche Wie-dervereinigung haben ihr Verhältnis zueinander verändert. Wie ein Road Movie erforscht sie die Gegensätze zwischen Aufbruch, Übergang und Begegnung im Arbeitskontext. Stephanie Steinkopf studierte in Berlin Fotografie, erhielt mehrere Fotopreise und stellte unter anderem im C/O Berlin, im Haus der Photographie Deichtorhallen Hamburg und in der Calouste Gulbenkian Foundation Paris aus. Stephanie Steinkopf im Netz.

 

Mit inneren und äußeren Wänden setzt sich Leon Eixenberger in seiner Videoarbeit „Alphabet“ auseinander. Zart, grob, Zeichen formend oder Gesten imitierend tasten darin zwei Hände Wände ab. Die Mauern stammen aus einem Haus aus den 1920er Jahren von Hans Scharoun, in dem der Architekt selbst jahrzehntelang wohnte. In seinen hybriden Arbeiten stellt der 1985 geborene die Welt als Prozess dar und kombi-niert Performance, Workshops, Architektur, Film und Skulptur. Seine Arbeiten zeigte er international in Institutionen wie dem Hamburger Bahnhof und der Neuen Nationalgale- rie in Berlin und dem Schusev-Museum für Architektur in Moskau. Leon Eixenberger im Netz.

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