Make it Home

Fotografie

Fotografie
Oliver Krebs, ohne Titel, C-Print, 40 x 60 cm, St. Bernardino, CA 2014

Göran Gnaudschun
Andy Heller
Oliver Krebs
Minna Rainio & Mark Roberts
Juliane Zelwies

Ausstellung
26. April bis 7. Juni 2020

Eröffnung am Sonntag, 26. April 2020, 12 Uhr

Die Gruppenausstellung zeigt fotografische und Video-Positionen, die auf den Prozess des Sich-Beheimatens schauen. Göran Gnaudschun, Andy Heller, Oliver Krebs, Minna Rainio & Mark Roberts und Juliane Zelwies untersuchen, wie und wo die Aneignung von Orten geschieht. Dies scheint gerade in Zeiten des elementaren Wandels relevant. Das Verschwinden von bekannten Strukturen, der Zerfall von Lebensräumen sowie Migration verlangen den nach einem Zuhause Suchenden viel ab. Ein Zuhause wird uns nicht gegeben, sondern wir müssen es erschaffen. Dies ist ein aktiver Prozess, in dem wir uns von unserer Herkunft, sei es geografisch oder kulturell, emanzipieren müssen, um wieder zu Hause anzukommen.

Konzeption: Oliver Krebs | Kuratorin: Andy Heller

 

Oliver Krebs

In der Bildserie Golden Record setzt sich Oliver Krebs mit unserem Selbstverständnis und unserem Blick auf den Planeten auseinander. 1976 hat die NASA eine Kommission gebildet, um 115 Bilder zu finden, die als Datensatz auf die Reise durch das Weltall hin zu einer möglichen extraterrestrischen Intelligenz geschickt werden sollen. Die Idee, die gesamte Menschheit unseres Planeten Erde einer, wie auch immer gearteten, Intelligenz vorzustellen, ist grandios absurd. Sie bildet den Ausgangspunkt für eine eigenständige künstlerische Arbeit, die zeigt, wo und wie wir uns verorten. Oliver Krebs entwickelt einen Duktus, der sich bewusst zwischen dem klassischen fotografischen Blick und dem metamorphischen Wesen der Malerei bewegt. Es sind Bilder, die Geheimnisse bergen und diese beim Betrachten wieder preisgeben.

Frau im roten Pullover
Göran Gnaudschun, Viktoria, aus der Serie: Are You Happy?, Pigmentdruck auf Barytpapier, 54 x 39,5 cm, 2017, Courtesy Galerie Poll, Berlin

Göran Gnaudschun

Die Serie Are You Happy? bewegt sich zwischen Porträt und atmosphärischen Stadtlandschaften. Göran Gnaudschun steht dabei in einem Spannungsfeld, welches die Menschen konkret mit all ihren Zwängen und ihren Sehnsüchten zeigt, und der nüchternen von ökonomischen Sachverhalten definierten Umgebung. Entstanden ist die Serie in der östlichen Peripherie Roms. Die Menschen, denen Gnaudschun hier begegnet, sind das Faszinierende an dieser Arbeit. Gnaudschun gibt ihnen Raum zu bestehen. Jeder Einzelne wirkt vor dieser Tristesse wie ein Superheld. Die Frage „Bist du glücklich?“ wird mit einem nüchternen Blick beantwortet, der uns beim Betrachten bewegt.

Fotografie
Andy Heller, aus der Serie: CA 94103, analoger C-Print, 40,4 x 50 cm, 2011

Andy Heller

CA 94103 steht für einen Postleitzahlenbereich in San Francisco, der von einem Autobahnkreuz dominiert wird. Die Fotografin Andy Heller findet hier Spuren von Menschen; Menschen ohne festen Wohnsitz, die ihr Hab und Gut tagsüber dort zwischenlagern. Es sind diese Ansammlungen sehr persönlicher Gegenstände, in der Verlorenheit eines transitorischen Ortes, die anrühren. Andy Heller entwickelt eine Bildsprache, die dem Provisorischen und Flüchtigen dieser Szenerie gerecht wird. Sie zeigt uns die Details, ohne dabei das Gesamte aus dem Blick zu verlieren. Heller ist nicht der Versuchung erlegen, Details herauszugreifen und sie so zu überhöhen, sondern sie zeigt uns die persönlichen Besitztümer in all ihrer Nacktheit. Darin liegt die Kraft ihrer Bilder.

 

Fotografie einer Landschaft
Minna Rainio & Mark Roberts, They Came in Crowded Boats and Trains, Video, 19:45 min, 2017

Minna Rainio & Mark Roberts

They Came in Crowded Boats and Trains ist ein vielfach ausgezeichneter Kurzfilm, der die Geschichte von Flüchtlingen aus dem Zweiten Weltkrieg mit der aktuellen Flucht von Iraker*innen nach Finnland in einem Re-Enactment montiert. Im Jahr 2015 haben 30.000 Flüchtlinge die Grenze zwischen Schweden und Finnland überquert. 1944 waren es weitaus mehr. Damals sind 56.000 finnische Flüchtlinge in die entgegengesetzte Richtung, von Finnland nach Schweden, über dieselbe Grenze geflohen. Durch die Kombination der beiden Geschichten wird die aktuelle Migrationsbewegung in einen historischen Zusammenhang gesetzt, der uns deutlich macht, wie wichtig und prägend Migration für das heutige Gesicht Europas ist.

Fotografie
Juliane Zelwies, Stubenhocker, 7 Kanal Videoinstallation, 3 – 11 min (div. Loops), 2003

Juliane Zelwies

Stubenhocker ist eine 7-Kanal-Videoinstallation. Scheinbar beiläufig platziert Juliane Zelwies Überwachungsmonitore, deren Anordnung auf die Architektur der jeweiligen Ausstellungssituation abgestimmt ist. Betrachtende finden auf diesen in den Winkeln und Ecken des Raumes stehenden Monitoren Videoloops, die Höhlen, Nester und Unterschlupfe lichtscheuer Tiere zeigen. Vordergründig wendet sich die Künstlerin hier dem animalischen Aspekt des Sich-Beheimatens zu. Doch durch unsere Betrachtung und die Einordnung in den Kontext der gesamten Ausstellung bildet diese Arbeit ein Fundament für die Begrifflichkeiten der anderen Positionen.