Kyiv Emerging

Fotograf*innen von li nach re: Ksenia Pavlova, Andriy Nedzelnytskyi, Lesha Berezovskiy, Tetiana Bohuslavska

Ausstellung vom 18. Januar bis 12. März 2023

Eröffnung am Dienstag, 17. Januar 2023, 18 Uhr

Begrüßung
Heike Schmitt-Schmelz | Bezirksstadträtin
Elke von der Lieth | Kommunale Galerie Berlin

Einführung
Norbert Wiesneth | Kommunale Galerie Berlin

Musikalische Begleitung: Super Plastik (Electronik Jazz) 
 

Die Gruppenausstellung Kyiv Emerging porträtiert die Widerstandsfähigkeit und Schönheit der ukrainischen Hauptstadt Kyiv. Im Jahr 2022 war Kyiv durch den Angriffskrieg Russlands mehrmals am Rande des Abgrunds und hat es doch immer wieder geschafft sich zu behaupten und sogar lebenswert zu bleiben.

16 ukrainische Fotograf*innen blicken auf ihre Stadt. Die Motive variieren von Stadtansichten zu Street-Photography und Porträts: Sie zeugen von dokumentarischen, empathischen oder konzeptionellen Bildsprachen. So wird die Ausstellung Kyiv Emerging zu einer Hommage an die vielen Facetten und Kontraste einer Stadt, in der sich Lebensläufe und die Landesgeschichte sichtbar reflektieren und der Stadt ein komplexes Gesicht geben.

Mit einem Open Call hatte die Kommunale Galerie Berlin/ Fachbereich Kultur ukrainische Fotograf*innen zu dieser thematischen Gruppenausstellung eingeladen. Eine hochkarätige Jury mit Dr. Christiane Stahl, Direktorin der Alfred Ehrhardt Stiftung, dem renommierten Fotografen Boris Mikhailov und der Kunsthistorikerin Victoryna Iunovych hat aus den zahlreichen Bewerbungen 16 fotografische Positionen ausgewählt.

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf pflegt eine langjährige Verbindung mit dem Städtepartnerbezirk Kyiv-Pechersk. Gerade in schwierigen Zeiten möchte der Bezirk den gegenseitigen Austausch eng fortführen und europäische Solidarität zeigen.

Wir freuen uns über die Besprechung im Tagesspiegel vom 27.1.2023

Künstler*innen

Anastasia Antonenko
Artem Baidala
Lesha Berezovskiy
Mishka Bochkaryov
Tetiana Bohuslavska
Yuliia Haleta
Daniil Kotlyar
Dmytro Kupriyan
Jane Laptii
Mariya Maslova
Nina Mári
Tim Melnikov
Andrii Nedzelnytskyi
Alina Panasenko
Кseniia Pavlova
Dima Tolkachov

Rahmenprogramm

Dienstag, 17. Januar 2023, 16 Uhr
Auftakt-Veranstaltung am S-Bahnhof Charlottenburg,
Stuttgarter Platz/Ecke Lewishamstraße

mit Norbert Wiesneth, Kommunale Galerie Berlin

 

Bilder der Eröffnung

Foto: Piotr Bialoglowicz

Zur Eröffnung spielt Super Plastic (Eltectronic Jazz)
Elke von der Lieth und Norbert Wiesneth begrüßen die Gäste

Die Künstler*innen der Ausstellung Kyiv Emerging

Tim Melnikov ist ein junger Fotograf aus Odessa, der aktuell Militärchroniken filmt. Seine atmosphärisch klaren Architekturfotografien der Stadtlandschaft von Kyiv, die er „The Capital of Freedom“ nennt, nahm er in den Jahren 2020 und 2021 auf.
www.instagram.com/tim__melnikov

Er heilt die, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden." Der hoffnungsvolle Titel der großformatigen Arbeit von Jane Laptii bezieht sich auf einen Bibelpsalm. Er steht im Kontrast zu den rot eingefärbten Panzersperren, die die Künstlerin im Inneren der Stadt fotografiert hat. Sie schützen nicht nur die Einwohner, sondern auch den Staat, die Nation. Die Künstlerin sagt dazu: „Wir weben unseren Schmerz, unsere Wunden in die Landschaft der Stadt, wir sprechen von einer großen Traurigkeit, die Jahrhunderte lang nicht geheilt werden kann.“
www.instagram.com/zhenialaptii/

Dima Tolkachov lebt und arbeitet als Fotograf und Grafik Designer in Kyiv. In seieen Beobachtungen des urbanen Alltags baut er vielschichtige visuelle Ebenen ein. So prangt auf dem Sockel der ehemaligen Leninstatue jetzt das ukrainische Staatswappen. Im Hintergrund ist ein Passagierflugzeug zu erkennen. Das Bild des Jungen, der in ein Kanonenrohr blickt, verliert im Kontext des aktuellen Krieges seinen spielerischen Charakter. Ein Mann, der Schleifarbeiten an einem Treppengerüst ausführt, zeigt sich in seiner Pose als Akrobat auf der Bühne der Großstadt.
https://dimatolkachov.cargo.site
www.instagram.com/dima_tolkachov/

In Kyiv zeigt sich die junge gelebte ukrainische Demokratie auch bei den Paraden oder Protestmärschen auf den Straßen. Artem Baidala ist Fotograf und Designer aus Dnipr. Er nimmt diese Art des öffentlichen Ausdrucks mit einer Polaroid-Kamera auf. Aus seiner Sicht sind die Auswirkungen der Straßenproteste der Hauptstadt – am prominentesten zu sehen bei den Maidanprotesten von 2013 – auch in den entfernteren Städten des Landes zu spüren.
www.instagram.com/artilio2oo1/
artembaidala.myportfolio.com/photography

In den ersten Tagen des russischen Angriffskriegs hält Kseniia Pavlova mit ihrer Kamera seltsame Situationen auf dem Batyieva Berg im Zentrum Kyivs fest. Während der Luftangriffe sieht sie Jugendliche Molotowcocktails herstellen. Sie trifft einen Priester, der, wie sich herausstellt, in einem verlassenen Gotteshaus lebt, das er für einheimische Schutzsuchende öffnet. Pavlovas Bilder vom 25. Februar 2022 zeigen in düsteren Farben die spontane Reaktion der Kyiver Bevölkerung zu Beginn des Krieges.

Lesha Berezovskiy bezeichnet sich selbst als schüchternen Menschen. Beim Fotografieren wahrt er eine gewisse Distanz, die selbst Porträts von jungen Menschen nicht gestellt aussehen lassen. Nachdem er 2014 von Donetzk nach Kyiv geflohen ist, hat er sich das ganze Universum der Subkulturen erschlossen, welches es in seiner Heimatstadt nicht gibt. In der Ausstellung sind zwei Szenen in farbreduzierter, kontrastreicher Sprache zu sehen. Sie zeigen Nähe und Distanz bei einem sommerlichen Rave im liberalen Kyiv des Jahres 2016.
brzvskiy.com
www.instagram.com/lewa_kartowa/

Die Bilder von Maria Maslova sind eine Hommage an die Schönheit der Stadt Kyiv. Sie zeigt die historische Architektur, die goldenen Kirchenkuppeln in harmonischer Koexistenz mit der modernen Stadtsilhouette. Die Fotografien wurden im Mai 2021 aufgenommen.
www.instagram.com/mmphotocreator

Dmytro Kupriyan archiviert mit Fotos den aktuellen Zustand der Architektur und der Infrastruktur Kyivs, um in Zukunft diese Epoche bewerten zu können. Er erschafft mit Collage von Einzelbildern Panoramen in Schwarzweiß, die den gewöhnlichen Sehradius erweitern. In der Ausstellung zeigt Kupriyan den urbanen Kontext eines historischen Schlachtdenkmals und einen Blick auf ein öffentliches Gebäude, das von Wolkenkratzern in den Schatten gestellt wird. Die collagenartige Zusammensetzung von mehreren Aufnahmen zu einem horizontalen Bild entdeckt architektonische Details und zeigt die Vision einer Stadt, gebildet aus historischen und zeitgenössischen Fragmenten.
www.kupriyan.com

Anastasia Antonenko fotografiert Alltagsszenen mit Einheimischen und Besuchern Kyivs. Nach den ersten Kriegstagen verlässt sie die Stadt und beginnt die Bilder zu sichten. Die ursprünglich schwarzweißen Fotos koloriert sie nachträglich, meist in den ukrainischen Farben Blau und Gelb. Diese Art der Bearbeitung ist eine Strategie, den inneren Frieden und die Unbeschwertheit für die Stadt und für sich selbst zu bewahren.
https://instagram.com/stusha_film

Das Leben und die Personen, die Daniil Kotlyar umgeben, sind mit ihm verbunden. Er sieht das Absurde, das Schöne, Wildheit und Liebe. Seine Fotografien verbinden Maskulinität mit Angst, Gemeinschaft mit Einsamkeit, graue Vorstädte mit blühender Natur.
instagram.com/danilkotliar

Nach einer Karriere als Koch widmet sich Mishka Bochkaryov nun fast vollständig der Fotografie und insbesondere der Streetphotography. Seine hier gezeigten detailgetreuen Fotografien von Punks und der Kyiver Subkultur verbindet er mit allgemeingültigen Fragen nach dem Trauma und der Überwindung von der schmerzhaften Abhängigkeit seines Landes vom russischen Imperium.
https://instagram.com/mishka_bochkaryov

Tetiana Bohuslavska ist eine Künstlerin und Schriftstellerin, die mit den Medien der Fotografie, Video, Performance und Malerei arbeitet. Ihre Themen changieren zwischen Feminismus, mentaler Gesundheit und Ökologie. In den hier gezeigten Arbeiten hat sie zerstörte russische Militärausrüstung aus verschiedenen Regionen der Ukraine fotografiert, die zu den Ausstellungsstücken des Museums der historischen Erinnerung in Kyiv gehören. Hinter den verwüsteten Metalloberflächen blitzen die prächtigen, noch unversehrten Fassaden der Gebäude und Kirchen der Hauptstadt hervor.
cargocollective.com/bohuslavska
www.instagram.com/tania_bohuslavska/

Bei Ausbruch des Krieges beginnen die Ukrainer*innen, ihre Monumente und Statuen vor Bombenangriffen zu schützen. Andrii Nedzelnytskyi hat die teilweise improvisierten Konstruktionen mit seiner Kamera festgehalten. Zu den Details der Skulpturen gesellen sich neue Narrative, wie die Sandsäcke um eine Heiligenfigur in der Fotografie „In chains“. Darüber hinaus hat Nedzelnytskyi in der Serie „They are waiting“ die aktuell verhüllten Wahrzeichen und Postkarten aus Sowjetzeiten nebeneinandergestellt.
www.facebook.com/andrey.nedzelnitsky/photos_albums
www.instagram.com/blacksun2000

Alina Panasenko ist Drehbuchautorin, Künstlerin und Kunstmanagerin. Für die gebürtige Ostukrainerin wurde Kyiv zu ihrer zweiten Heimat. Ein Ort der Freiheit und der sexuellen Blütezeit. Ihre Kunst ist stark körperbetont. Bei ihrer aktuellen Serie „Anamnese“ war es für sie interessant nachzuspüren, welche Emotionen der Körper während des Krieges vermittelt.
www.alinapanasenko.com
www.instagram.com/pnsnk/

Yuliia Haleta nimmt als Kyiverin die Wunden des Krieges in ihrer Stadt auf und befragt sie: „Was war an der Stelle eines zerstörten Gebäudes vor Tausenden von Jahren? Vielleicht ein Ozean mit Riesenkrabben, die in unheilvollen Gewässern schwammen? Eines Tages werden alle Ereignisse unserer Gegenwart Geschichte sein. Werden sich all die Gefühle und Schmerzen in Statistiken verwandeln?“ In ihrer Serie „Natura Morta“ überblendet Yuliia Haleta kriegsversehrte Gebäude mit Skeletten und Objekten aus dem Naturkundemuseum und befragt die Synchronität von Vergangenheit und Zukunft.
www.instagram.com/julie_croi

Die Stadt Genf wurde für die bildende Künstlerin Nina Mári zum sicheren Zufluchtort. Ihre Arbeit „Kiev Kyiv“ ist ein ortsspezifisches Projekt zum Thema der erzwungenen Einwanderung. Ihre persönliche Geschichte ist mit Kastanien verbunden. Sind sind ein Symbol für Kyiv und werden von den meisten Einwohner*innen mit der Hauptstadt assoziiert. Jedes Mal, wenn sie in Genf einen blühenden Kastanienbaum sah, fühlte sie sich fast körperlich verletzt, weil sie wusste, dass sie vorerst nicht zurückkehren kann. Die Hälfte der Bilder hat sie mit Hilfe von Google Map Walks „aufgenommen“. Der Rest der Bilder entstand in Genf. Der Titel „Kiev Kyiv“ ist ein Hinweis auf eine Dekolonisierung, der Abkehr von der russischen Aussprache. Trotz der Ähnlichkeit ist die neue Ableitung Kyiv laut Mári für Ukrainer*innen eine Frage des Identitätsbewusstseins und von entscheidender Bedeutung.
www.instagram.com/ninamariart