MAKE it HOME

Fotografie

Fotografie
Oliver Krebs, ohne Titel, C-Print, 40 x 60 cm, St. Bernardino, CA 2014

Göran Gnaudschun
Andy Heller
Oliver Krebs
Minna Rainio & Mark Roberts
Alec Soth
Juliane Zelwies

Ausstellung
15. August bis 31. Oktober 2021

Soft-Finissage am Sonntag, 31. Oktober 2021, 14-17 Uhr
mit Göran Gnaudschun, Andy Heller, Oliver Krebs

Zutritt mit Registrierung zu den Veranstaltung aktuell für Geimpfte, Genesene und Getestete. Bitte kommen Sie rechtzeitig, um eine reibungslose Zutrittsprüfung zu ermöglichen.

Die Gruppenausstellung zeigt fotografische und Video-Positionen, die auf den Prozess des Sich-Beheimatens schauen. Göran Gnaudschun, Andy Heller, Oliver Krebs, Minna Rainio & Mark Roberts, Alec Soth und Juliane Zelwies untersuchen, wie und wo die Aneignung von Orten geschieht. Dies scheint gerade in Zeiten des elementaren Wandels relevant. Das Verschwinden von bekannten Strukturen, der Zerfall von Lebensräumen sowie Migration verlangen dem nach einem Zuhause Suchenden viel ab. Ein Zuhause wird uns nicht gegeben, sondern wir müssen es erschaffen. Dies ist ein aktiver Prozess, in dem wir uns von unserer Herkunft, sei es geografisch oder kulturell, emanzipieren müssen, um wieder zu Hause anzukommen.

Kuratiert von Andy Heller & Oliver Krebs

Oliver Krebs

Lesen Sie hier den Artikel von Gunda Bartels zur Ausstellung Make it Home, erschienen im Tagesspiegel vom 26.8.2021.

In der Bildserie Golden Record setzt sich Oliver Krebs mit unserem Selbstverständnis und unserem Blick auf den Planeten auseinander. 1976 hat die NASA eine Kommission gebildet, um 115 Bilder zu finden, die als Datensatz auf die Reise durch das Weltall hin zu einer möglichen extraterrestrischen Intelligenz geschickt werden sollen. Die Idee, die gesamte Menschheit unseres Planeten Erde einer, wie auch immer gearteten, Intelligenz vorzustellen, ist grandios absurd. Sie bildet den Ausgangspunkt für eine eigenständige künstlerische Arbeit, die zeigt, wo und wie wir uns verorten. Oliver Krebs entwickelt einen Duktus, der sich bewusst zwischen dem klassischen fotografischen Blick und dem metamorphischen Wesen der Malerei bewegt. Es sind Bilder, die Geheimnisse bergen und diese beim Betrachten wieder preisgeben.

Frau im roten Pullover
Göran Gnaudschun, Victoria, aus der Serie: Are You Happy?, Pigmentdruck auf Barytpapier, 54 x 39,5 cm, 2017, Courtesy Galerie Poll, Berlin

Göran Gnaudschun

Die Serie Are You Happy? bewegt sich zwischen Porträt und atmosphärischen Stadtlandschaften. Göran Gnaudschun steht dabei in einem Spannungsfeld, welches die Menschen konkret mit all ihren Zwängen und ihren Sehnsüchten zeigt, und der nüchternen von ökonomischen Sachverhalten definierten Umgebung. Entstanden ist die Serie in der östlichen Peripherie Roms,"entlang der Via Prenestina". Die Menschen, denen Gnaudschun hier begegnet, sind das Faszinierende an dieser Arbeit. Gnaudschun gibt ihnen Raum zu bestehen. Jeder Einzelne wirkt vor dieser Tristesse wie ein Superheld. Die Frage „Bist du glücklich?“ wird mit einem nüchternen Blick beantwortet, der uns beim Betrachten bewegt.

Fotografie
Andy Heller, aus der Serie: CA 94103, analoger C-Print, 40,4 x 50 cm, 2011

Andy Heller

CA 94103 steht für einen Postleitzahlenbereich in San Francisco, der von einem Autobahnkreuz dominiert wird. Die Fotografin Andy Heller findet hier Spuren von Menschen; Menschen ohne festen Wohnsitz, die ihr Hab und Gut tagsüber dort zwischenlagern. Es sind diese Ansammlungen sehr persönlicher Gegenstände, in der Verlorenheit eines transitorischen Ortes, die anrühren. Andy Heller entwickelt eine Bildsprache, die dem Provisorischen und Flüchtigen dieser Szenerie gerecht wird. Sie zeigt uns die Details, ohne dabei das Gesamte aus dem Blick zu verlieren. Heller ist nicht der Versuchung erlegen, Details herauszugreifen und sie so zu überhöhen, sondern sie zeigt uns die persönlichen Besitztümer in all ihrer Nacktheit. Darin liegt die Kraft ihrer Bilder.

 

Fotografie einer Landschaft
Minna Rainio & Mark Roberts, They Came in Crowded Boats and Trains, Video, 19:45 min, 2017

Minna Rainio & Mark Roberts

They Came in Crowded Boats and Trains ist ein vielfach ausgezeichneter Kurzfilm, der die Geschichte von finnischen Flüchtlingen aus dem Zweiten Weltkrieg mit der aktuellen Flucht von Iraker*innen nach Finnland in einem Re-Enactment montiert. Im Jahr 2015 haben 30.000 irakische 
Geflüchtete die Grenze zwischen Schweden und Finnland überquert. 1944 waren es weitaus mehr. Damals sind 56.000 Finnen in die entgegengesetzte Richtung über dieselbe Grenze geflohen.
Ausgangspunkt des Films sind Briefe, Tagebucheinträge und Interviews mit Finnen, welche im Zweiten Weltkrieg nach Schweden flüchteten. Diese Texte haben Rainio & Roberts gemeinsam mit aus dem Irak Geflüchteten in ihrem Film re-inszeniert. Durch die Kombination der beiden Geschichten 
wird die aktuelle Migrationsbewegung in einen historischen Zusammenhang gesetzt, der uns deutlich macht, wie wichtig und prägend Migration für das heutige Gesicht Europas ist.

 

 
Alec Soth, aus der Serie: untitled, Dia im Leuchtkasten, 14,5 x 18 cm, 2020
Alec Soth, aus der Serie: untitled, Dia im Leuchtkasten, 14,5 x 18 cm, 2020

Alec Soth

In seiner Serie untitled (2020) zeigt Alec Soth Fotografien, die während des ersten Corona-Lockdowns in der unmittelbaren Umgebung seines Zuhauses entstanden sind. Außergewöhnlich wie diese Extremsituation, in der sich die gesamte Welt Anfang 2020 befand, sind auch seine Bilder in den kleinen Leuchtkästen. Sie stehen komplementär zu seinen aufwendigen Werkgruppen, wie zum Beispiel Sleeping by the Mississippi oder Broken Manual, für die er mit einer Großformat-Kamera tausende von Kilometern gereist ist.
Alec Soth schaut durch ein Fernglas auf eine Welt, die sich radikal verkleinert hat. Von der Isolation seines Minivans aus setzt er mit seinem Smartphone und dem Fernglas als improvisiertes Vorsatzobjektiv die soziale Distanz ins Bild. Es sind "Blicke“ auf Nachbarn, Vorgärten und Tages- und Jahreszeiten, die sich zu einem Mosaik der Enge zusammenfügen.
Das Fernglas gibt dem Fotografen durch seine Vergrößerung die Möglichkeit, sich weiter von der Umwelt zu distanzieren. Gleichzeitig ist es ein stilistisches Mittel, um die klaustrophobische Enge in eine flirrende Welt aus Licht und Aberrationen zu setzen. Es ist diese spielerische Leichtigkeit, die diese Bilder so besonders machen.

Fotografie
Juliane Zelwies, Stubenhocker, 7 Kanal Videoinstallation, 3 – 11 min (div. Loops), 2003

Juliane Zelwies

Stubenhocker ist eine 7-Kanal-Videoinstallation. Scheinbar beiläufig platziert Juliane Zelwies Überwachungsmonitore, deren Anordnung auf die Architektur der jeweiligen Ausstellungssituation abgestimmt ist. Betrachtende finden auf diesen in den Winkeln und Ecken des Raumes stehenden Monitoren Videoloops, die Höhlen, Nester und Unterschlupfe lichtscheuer Tiere zeigen. Vordergründig wendet sich die Künstlerin hier dem animalischen Aspekt des Sich-Beheimatens zu. Doch durch unsere Betrachtung und die Einordnung in den Kontext der gesamten Ausstellung bildet diese Arbeit ein Fundament für die Begrifflichkeiten der anderen Positionen.

Die Ausstellung wurde realisiert mit freundlicher Unterstützung der Galerie Loock.

Ausstellungsansicht Make it Home
Andy Heller, Juliane Zelwies
Ausstellungsansicht Make it Home
Oliver Krebs
Ausstellungsansicht Make it Home
Andy Heller
Ausstellungsansicht Make it Home
Göran Gnaudschun Courtesy Galerie Poll, Berlin
Ausstellungsansicht Make it Home
Oliver Krebs, Minna Rainio & Mark Roberts, Göran Gnaudschun, Courtesy Galerie Poll, Berlin
Ausstellungsansicht Make it Home
Alec Soth, Andy Heller
Ausstellungsansicht Make it Home
Göran Gnaudschu, Courtesy Galerie Pol, Berlin, Juliane Zelwies, Alec Soth, Andy Heller
Ausstellungsansicht Make it Home
Oliver Krebs, Juliane Zelwies