Crossing the same Circumstances

Patricia Morosan
Patricia Morosan

Ioana Cîrlig
Dani Ghercă
Ion Grigorescu
Nicu Ilfoveanu
Iosif Király
Patricia Moroșan
Decebal Scriba
Mircea Stănescu

Ausstellung
20. Juni bis 22. August 2021

Die Ausstellung Crossing the Same Circumstances bringt acht zeitgenössische Künstler*innen aus Rumänien zusammen, die in ihren sich gegenseitig ergänzenden oder einander überschneidenden Ansätzen einen Einblick in die Entwicklung der rumänischen Fotografie seit den 1970er Jahren bis in die Gegenwart geben. Die Präsentation verschiedener künstlerischer Positionen schafft eine Vielstimmigkeit, in der die Fotografie sowohl zum Werkzeug im vertrauten Atelier wird als auch zur ständigen Begleiterin, die das Alltägliche aufzeichnet und zum Instrument, das die vergehende Zeit dokumentiert. Die Ausstellung besteht aus Künstler*innen, die schon vor dem Fall des kommunistischen Regimes 1989 in Rumänien gearbeitet haben, sowie aus Künstler*innen jüngerer Generationen, die in einem gänzlich anderen soziopolitischen Kontext ausgebildet wurden und ihre künstlerische Praxis entwickelt haben. Die ausgestellten Arbeiten zeigen die Vielfalt der künstlerischen Ansätze aus der noch jungen Geschichte der rumänischen Fotografie (in Bezug auf Thematik und Materialität des Mediums) als auch mögliche Kontinuitäten und Genealogien, die erst ein retrospektiver Blick eröffnet.

Alle Arbeiten verhandeln Vorstellungen von Gedächtnis / Erinnerung als auch unterschiedliche Ebenen der Subjektivität und thematisieren darin die Fotografie als Archiv persönlicher oder kollektiver Vergangenheiten  (Nicu Ilfoveanus offener Blick auf die – gescheiterten – modernistischen Utopien, die in rumänischen Kleinstadtlandschaften eingeschrieben sind; Patricia Moroșans visueller Diskurs über Migration und Wiederfindung einer imaginären Heimat); oder thematisieren die Fähigkeit der Fotografie, die Gleichzeitigkeit einer gegenwärtigen Zukunft zwischen Verlust und Vorahnung aufzuzeigen (sowohl Dani Ghercă als auch Ioana Cîrlig dokumentieren postindustrielle Landschaften und Orte wissenschaftlicher Forschung – wobei Dani Spuren und Wirkkräfte der Urbanisierung aufzeichnet und Ioana sich mit den immer dringlicher werdenden ökologischen Fragen auseinandersetzt). Es geht somit auch um die Zeitlichkeiten, die im fotografischen – und archivarischen – Akt eingeschrieben sind (wie die sich in Iosif Királys Montagen überlagernden Zeitlichkeiten, die durch beständige Infragestellung des Selbst entstehen; oder in Decebal Scribas Sammlung von scheinbar unzusammenhängenden Momentaufnahmen aus den 70er und 80er Jahren aus seinem persönlichen Archiv, die uns ermöglichen, an einer offenen poetischen Neuordnung dieser unmittelbaren und doch entfernten Realitäten teilzunehmen). Und es geht auch um die verschiedenen Ebenen – konzeptueller – Abstraktion, die bei der Gestaltung eines Bildes von Bedeutung sind, insbesondere im Kontext selbst auferlegter (künstlerischer) Isolation (Mircea Stănescus visuelle Tagebücher, in denen sich die Vergänglichkeit zu einer Reihe kontemplativer und stark geometrischer Bilder verdichtet; oder im umgekehrten Sinne, Ion Grigorescus Darstellungen des performativen Körpers in seiner vertrauten Umgebung als Ort einer sowohl intimen als auch politischen Auseinandersetzung, die schließlich über die Grenzen des Ateliers hinausgeht).

Die hier zusammengeführten, verschiedenen und doch miteinander verbundenen Perspektiven erzählen eine Geschichte über synchrone und diachrone Zeitlichkeiten, über den Austausch der Künstler*innen mit anderen Ausdrucksformen und theoretischen Fragestellungen, über ihre Positionierung und die daraus resultierenden bildlichen Darstellungen weitgefasster soziopolitischer Kontexte oder selbstreferenzieller Untersuchungen. So agieren die Künstler*innen manchmal als visuelle Anthropolog*innen, manchmal als Erzähler*innen und manchmal auch als Verteidiger*innen einer fotografischen Ästhetik – und immer als Seismographen eines gemeinsamen kulturellen Hintergrundes.

Kuratorin : Sandra Demetrescu

Mit freundlicher Unterstützung von:
AFCN (Verwaltung des Nationalen Kulturfonds – Rumänien), Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Ausstellungsfonds Kommunale Galerien und Fonds Ausstellungsvergütungen für bildende Künstler*innen

The exhibition Crossing the Same Circumstances brings together eight Romanian contemporary artists whose complementary or overlapping approaches offer a glimpse into the becoming of photographic art, such as it is practiced in Romania from the ’70s and up to the present day. Representative of various generations, the presentation creates a polyphony of stances wherein the focus is shifting from photography as tool in the intimacy of the studio, as constant companion to the recording of the everyday, or as means to highlight the passage of time. The selection is composed of artists active before the 1989 fall of the communist regime in Romania, as well as from the younger generations, who were trained and developed their practice in a radically different socio-political context. Presented side by side, these works highlight both the diversity of approaches in the young history of Romanian photography (regarding the subject matter and the physicality of the medium), and the continuities or possible lineages a retrospective glance might uncover.

Up to a certain point, all presented projects are centred around notions of memory / remembrance and the layers of subjectivity, thus unveiling photography’s quality as receptacle of revisiting personal and collective pasts (i.e. Nicu Ilfoveanu’s generous outlook on the—failed—modernist utopias  frozen in the Romanian small-town landscape or Patricia Moroșan’s visual discourse about displacement and the recovery of an imaginary homeland), or its capacity of framing a present-future that’s caught between vanishing and anticipation (both Dani Ghercă and Ioana Cîrlig are working with the documentation of post-industrial sites and facilities for scientific research, whereby Dani aims at recording the traces and effects of urbanisation, and Ioana proposes a soft take on increasingly pressing ecological matters). It is therefore also about the tenses embedded in the photographic—and archival—act (Iosif Király’s montages of superimposed temporalities and the self-reflexive nature that always guides his reconstructive processes; or Decebal Scriba’s collection of seemingly disparate instances recovered form his personal archive from the interval of the ’70s-’80s, that invite us to partake in an unrestricted poetic reordering of those immediate but now remote realities); and about the successive layers of—conceptual—abstraction that are at play when constructing an image, especially in a context of self-imposed (artistic) isolation (Mircea Stănescu’s visual diaries structured around ephemerality and resulting in sequences of contemplative images characterised by a powerful geometry or, conversely, Ion Grigorescu’s depictions of the performative body in its familiar surroundings as primary site of a both intimate and political confrontation eventually breaking the barriers of the studio).

This collection of different yet kindred points of view tells a story about simultaneity and diachronism, about each of the artists’ exchanges with other forms / media of expression and theoretical concerns, about their positioning and ensuing visual renderings of either broader socio-political contexts or of self-referential inquiry. As such, they proceed at times as visual anthropologists, at times as storytellers or defenders of the aesthetic qualities of photography—and always as the seismographers of a common cultural background.

Curator : Sandra Demetrescu

With the kind support of:
AFCN (Administration of the National Cultural Fund—Romania), the Senate Department for Culture and Europe, Exhibition Fund Municipal Galleries and Funds Exhibition Allowances for Visual Artists