Fried Fog [4händig ]

Elfi Greb - Fotografie
Fee Kleiß - Objekte und Malerei

Einladungskarte Fried Frog

Ausstellung
voraussichtlich ab Dezember 2020

Fried Fog

Kann/soll man das essen?
Ist das physikalisch überhaupt möglich?
Hat das etwas zu bedeuten oder klingt es nur gut?

Die beiden Künstlerinnen, die für die Reihe 4händig vom Frauenmuseum Berlin zu einer gemeinsamen Ausstellung eingeladen wurden, gehören unterschiedlichen Generationen an (so will es das Konzept der Reihe) und arbeiten mit sehr unterschiedlichen Materialien. Elfi Greb zeigt Fotografien, Fee Kleiß Objekte und Zeichnungen – soweit die Schubladen, die allerdings in beiden Fällen nicht wirklich passen wollen.

Auch wenn die Fotografie als Medium längst vom Stigma des Dokumentarischen befreit ist, steht sie dennoch im Ruf, »kühl« oder »glatt« zu sein. Lange galt die Regel, die »wahre Kunst« der Fotografie sei das Einfangen eines Momentes, Hell und Dunkel, Schärfe und Unschärfe, der perfekte Ausschnitt – und digitale Nachbearbeitung diene nur dazu, eventuelle, bei der Aufnahme gemachte Fehler zu vertuschen. Zum Glück fühlt sich Elfi Greb nicht an solche Klischees gebunden, sondern setzt das Medium ein, um sich künstlerisch so auszudrücken, wie es ihr gefällt, »Manipulationen« inklusive. Wenn sie in einer nebeligen Landschaft extreme Schärfe auf eine deplaziert wirkende Fels-Formation im Vordergrund legt, fühlt man sich an Fotocollagen einer Hannah Höch erinnert, andere Bilder wirken so malerisch, dass man den Pinselstrich sucht. Und bei manchen fühlt man sich wie in einem märchenhaften Filmszenario – surreal gefärbte Settings, Spiegelungen und dekontextualisierte Personen, Tiere oder Pflanzen. Ceci n’est pas ... – oder doch?

Fee Kleiß wiederum hat eigentlich Malerei studiert, arbeitet aber nicht nur in der Fläche und zeigt in dieser Ausstellung überwiegend Objekte. Farbe und Textur ihrer unkonventionellen Materialien spielen dennoch eine große Rolle. Lustvoll kombiniert sie »zufällige Zusammentreffen« – nicht von »Nähmaschine und Regenschirm auf dem Seziertisch« wie sie der Surrealist Lautreamont imaginierte, sondern eher von Schneebesen und Quietschente auf einer Stoff-Leim-Landschaft wie z.B. in »Dystropical Island«. Kinderspielzeug, knorrige Äste, modellierte Kunststoffmasse, Latex und Alltagsgegenstände versammeln sich zu Kompositionen, die wie dreidimensionale Wimmelbilder eine fast kindliche Entdeckerfreude wecken und sehr verschiedene Interpretationen zulassen: zivilisationskritisch, kunstimmanent oder auch feministisch. Gleichzeitig sind viele ihrer Arbeiten wie Mikro-Skulpturen-Parks, in denen jedes einzelne Element bewusst geformt und platziert ist und die die Diversität als Prinzip feiern.

Ist es Zufall, dass mir Hannah Höch, René Magritte und Lautreamont in den Sinn kommen? Wohl kaum. Dadaismus und Surrealismus haben starre Grenzen gesprengt und das Spielerische in der Kunst »salonfähig« gemacht. »Fried Fog« ist frivol, frech, frugal, fragmentarisch und fröhlich. Und fantastisch.

Julie August

Kuratiert von Rachel Kohn (Frauenmuseum Berlin e.V.)
Statt einführender Worte wird ein Text von Eva Wollschläger (Kunsthistorikerin) in der Ausstellung ausliegen

Wellblechhütte in der Landschaft
Elfi Greb, Wellblechpalast, FineArt-Pigmentprint auf AluDiBond, 2007, 90 x 58 cm, ©Elfi Greb
albstrakte Kunst, verschiedene Materialien
Fee Kleiß, Dystropical Island, Holz, Textilien, Leim, Latex, Farbe, Spielzeug, div. Fundstücke, 2020, 93x73x38 cm, Foto Elfi Greb, © Fee Kleiß