Pflanzen und Blumen

Fotografie einer verblühten Tulpe von Kathrin Linkersdorff mit dem Titel "Fairies IV 1"
Kathrin Linkersdorff, Fairies IV 1, 2020, Archival Pigment Print,148 x 225 cm, Auflage: 3, © 2021 Kathrin Linkersdorff / VG Bild-Kunst, Bonn

kuratiert von Dr. Helen Adkins

Künstler*innen
EC Davies
Nathalie Giraud
Timo Kahlen
Reinhard Krehl
Rani Le Prince
Kathrin Linkersdorff
Lorcan O'Byrne
Nicolaus Schmidt
Eva-Maria Schön
Luzia Simons
Barbara Trautmann

Ausstellung
13. Februar bis 3. April 2022

Eröffnung am Sonntag, 13. Februar 2022, 11-17 Uhr

12 Uhr Begrüßung
Heike Schmitt-Schmelz, Bezirksstadträtin
Elke von der Lieth, Kommunale Galerie Berlin
Einführung Dr. Helen Adkins, Kuratorin
Begrenzte Plätze, Teilnahme nur nach telefonischer Anmeldung unter 9029 16704

Die Klimakatastrophe steht vor der Tür und Covid 19 hält die Welt noch immer in Atem. Das Pflanzenreich unseres Planeten schien lange irgendwie selbstverständlich, nun ist alles anders. Vor allem in der Großstadt. Pflanzen und Blumen sind nicht ansteckend. Wir dürfen sie anschauen, anfassen, riechen, pflegen; sie nehmen uns gedanklich mit in den Park, aufs Land oder in die Ferne. Sie sind Verbündete, lindern unsere Schmerzen und erfreuen unsere Seele. Aber so anpassungsfähig wie sie sind, brauchen sie – genau wie wir – Lebensraum.

Die Pandemie führt uns globale Dimensionen vor: wir begreifen allmählich, dass die Vernichtung des Regenwaldes auch eine unmittelbare Bedrohung für uns darstellt, selbst wenn der Amazonas weit weg ist. Direkt vor unserer Haustür erleben wir den Schwund an Artenvielfalt, der wiederum mit der geschrumpften Biodiversität einhergeht. Das frühere unbeliebte Unkraut feiern wir als Wildkraut. Wir entdecken den Zauber von Gräsern, die vor kurzem noch Symbol einer vernachlässigten Brache waren und nun zu neuer Aufmerksamkeit erwachen. Wir machen uns Gedanken zu Nutz- und Zierpflanzen und ob diese Kategorisierung ihre Richtigkeit hat. Wir schauen uns die vermeintlich so robuste Natur an und stellen fest, wir zollen ihr Respekt und Anerkennung statt Raubbau mit ihr zu betreiben.

Pflanzen und Blumen zeigt wie unterschiedlich die Wahrnehmung der pflanzlichen Vielfalt unserer Erdkugel sein kann. Differenzierte künstlerische Denkansätze und Medien begleiten uns durch ein Panorama kostbarer Naturanschauungen. In Analogie an die Vielfalt unserer Pflanzenwelt sind die durchweg poetischen Arbeiten kontrastreich und dennoch harmonisch: vom gemalten häuslichen Blick aus dem Fenster bis zu intimen Bleistiftzeichnungen von Siedlungswildwuchs. Wir sehen eine trügerisch vitale tropische Pflanzenwelt und die kraftvolle Borkenlandschaft 100-jähriger Straßenpappeln. Es überwiegt jedoch die offenkundige Zartheit der Natur mit berührenden Trauerblumen, der kontemplativen Schönheit verwelkter Tulpen und beinahe nostalgischen Pflanzenselbstdrucken. Magisch bearbeitete Mikroaufnahmen von Kieselalgen teilen sich die Aufmerksamkeit mit Abstraktionen von Bambuspflanzen und Formsammlungen in Tusche. Wir spüren die Freiheit des Windes und die Einschränkungen der Isolation, wir erahnen den Duft getrockneter Blüten. Der Kunstraum wird für ein direktes Nachdenken über die Natur geöffnet.

Rahmenprogramm

Begrenzte Plätze, Teilnahme nur nach telefonischer Anmeldung unter 9029 16704

Führung mit der Kuratorin
Samstag, 26. Februar 2022, 14 Uhr

Zwischen Heu und Bambus. Gräser nah und fern
Gespräch mit Reinhard Krehl und Rani Le Prince

Moderation: Dr. Sabine Rohlf
Einführung: Dr. Helen Adkins
Sonntag, 6. März 2022, 14 Uhr
Das Gespräch wird die Bambuszeichnungen von Rani Le Prince – eine sinnliche Hommage an die Schönheit und Lebenskraft einer faszinierenden Grasart – in Verhältnis zu Reinhard Krehls poetischen Naturselbstdrucken von Heu und einheimischen Gräsern, bei denen die Pflanzen selbst die Druckform bilden, zueinander setzen. Es werden ästhetische und gesellschaftliche Wahrnehmung, Nützlichkeit und Wirtschaftlichkeit von Gräsern, sowie Aspekte von Exotismus und Tradition in der Pflanzenwelt angesprochen.

Finissage - die Künstler*innen sind anwesend
Sonntag, 3. April 2022, 14-17 Uhr

Das Bild zeigt einen Filmstill von EC Davies mit dem Titel "The River", zu sehen sind Schnittblumen, die auf dem Wasser treiben
EC Davies, The River, 2010, Projektion SD Video, 4’ Loop, Ton © 2021 EC Davies
Die Fotografie von Timo Kahlen zeigt zwei Rasenstücke auf weissem Grund
Timo Kahlen, Isolation, 2020, Aus: Rasenstücke, 2002–2021, 40 x 50 cm, Farbpigmentdruck, AP
© 2021 Timo Kahlen / VG Bild-Kunst, Bonn
Materialdruck und Kohle auf Wenzhou-Chinapapier von Reinhard Krehl mit dem Titel "WhitmanHeu #1"
Reinhard Krehl, WhitmanHeu #1, 2019, Materialdruck und Kohle auf Wenzhou-Chinapapier,
70 x 96 cm © 2021 Reinhard Krehl / VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: Stefan Fischer
schwarz-weiss Fotografie eines tropischen Waldes von Luzia Simons mit dem Titel "Landschaft 03. Humboldt ist niemals da gewesen"
Luzia Simons, Landschaft 03. Humboldt ist niemals da gewesen, 2013, Digitalisierter Polaroid, Transferdruck, Perlmuttpigment auf Aludibond, 67,8 x 100 cm, Auflage: 5 + 1 AP
© 2021 Luzia Simons, VG Bild-Kunst Bonn
Lorcan O’Byrne, The Big Chair II, 1998, Öl auf Nessel, 184 x 298 cm, © 2021 Lorcan O’Byrne, Foto: David Janecek

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